Antibiotika bei Husten?

Wann sollte man sie einnehmen?

Antibiotika helfen nur bei bakteriellen Infekten! Bei den meisten Infekten sind aber Viren die Ursache.

Bis zu 80% der Atemwegsinfektionen werden durch Viren verursacht und nur 20% sind damit bakteriellen Ursprungs. Weiterhin kann auch eine allergische Reaktion zu der Fehldiagnose eines Infektes verleiten. Gerade im Übergang zum Frühjahr, einer typischen Infektzeit, wird eine allergische Reaktion gerne übersehen und falsch interpretiert. Dasselbe gilt auch für die Herbstmonate, wenn mit Beginn der Heizperiode auch die Hausstaubmilbenallergie zu länger anhaltendem Husten führen kann.

Auch ein schweres Krankheitsgefühl mit hohem Fieber ist normalerweise kein Grund, ein Antibiotikum einzunehmen. Viren, insbesondere die Influenzaviren (siehe Bericht über Influenza), verursachen häufig diese Symptome.

Genauso wenig ist ein verfärbter Auswurf beim Husten ein sicherer Hinweis für einen bakteriellen Infekt. Gelblicher Auswurf beispielsweise deutet in den meisten Fällen eher auf eine allergische Ursache als auf eine Infektion mit Bakterien hin. Und auch bei grünlichem Auswurf lassen sich nur in bis zu 80% der Fälle Bakterien nachweisen.

Anhaltender Hustenreiz kann ebenfalls viele Ursachen haben. Im Vordergrund steht hier das Asthma. 40% aller Menschen mit länger andauerndem Husten leiden hierunter. Allerdings ist auch an ein sogenanntes hyperreagibles Bronchialsystem, welches in bis zu 5% nach Infekten auftreten kann, zu denken. Typisch hierfür ist, dass man auf bestimmte äußere Reize (Gerüche, Rauch, kalte Luft oder auch körperliche Belastung) mit einem trockenen Reizhusten reagiert.

Bei häufiger Einnahme von Antibiotika steigt das Risiko, eine chronisch entzündliche Darmerkrankung zu bekommen, um den Faktor 1,5. Außerdem können sich bei unsachgemäßen Gebrauch Resistenzen entwickeln, die es zunehmend schwerer machen, bestimmte Keime zu behandeln. Die multiresistenten Bakterien insbesondere in den Krankenhäusern sind eine Folge hiervon.

Jede mit der Umgebung in Verbindung stehende Körperhöhle des Menschen ist mit Bakterien besiedelt. Das gilt auch für die Atemwege. Die Gesamtheit dieser Keimbesiedlung bezeichnet man als Mikrobiom. Dieses Mikrobiom übernimmt für den Körper nützliche Aufgaben und kann ebenfalls durch eine unsachgemäße Einnahme von Antibiotika gestört werden. Insbesondere die Darmflora kann durch viele Antibiotika empfindlich gestört werden, was sich dann häufig auch durch einen Durchfall, der im schlimmsten Fall wieder mit besonderen Antibiotika behandelt werden muss, äußert.

Eine Antibiotikatherapie sollte somit immer nur dann eingesetzt werden, wenn die Diagnose eine bakteriellen Infektes mit großer Wahrscheinlichkeit besteht und es gleichzeitig keine andere Möglichkeit der Therapie gibt.

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